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Nebenhöhlen - Nasennebenhöhlenentzündung - Ich habe die Nase voll - Deutung und Herkunft des Sprichworts

Es war ein kühler aber klarer, sonniger Freitagmorgen.

Die ersten zwei Tassen Kaffee des Tages waren bereits in mich hineingeflossen und meine Nebenhöhlen verlangten nach einer dreitägigen Ruhepause.

Sie reagieren auf meinen noch alltäglichen Dauerstress mit der gezielten Produktion ekelerregender Mengen grünen Schleimes und sind daher ein sicherer Indikator dafür, wenn ich mir – mal wieder – zu viel abverlangt habe.

Betreffend die eine Abteilung, für die ich tätig war, hatte mein einziger Kollege sich den Tag zuvor bereits krankgemeldet. Die Abteilung war nun, nach meinem Wegfall, also unbesetzt.

Betreffend die zweite Abteilung, für die ich tätig war, hatte meine einzige Kollegin seit Montag Urlaub. Die Abteilung war nun, nach meinem Wegfall, also unbesetzt.

In der dritten Abteilung, für die ich arbeitete, fehlten drei von sechs Leuten aus meinem Bereich.

So eine Konstellation mag man eine Zwickmühle schimpfen. Ich nenne sie komplett verantwortungslos. Jedenfalls seitens der Personalleitungen, die solche Zustände erst möglich werden lassen.

Denn diese Situation sorgte dafür, dass der dritte im Bunde – also Ich – sich für alles verantwortlich fühlen müsste. Über Jahre hatte ich diese Verantwortung getragen, sie am Anfang ja fast ein wenig genossen.

Was für ein Anfängerfehler!

Mit der Zeit wurde mir klar: Es ist alles andere als ein Segen „unentbehrlich“ zu sein.

Ich hatte Krankheiten übergangen, nur weil sonst im Büro so viel Arbeit liegen geblieben wäre. Habe mich selbst ausgebeutet für ein System, welches genau darauf aufbaut: Auf der völligen Selbstaufgabe mancher weniger. Komme, was wolle.

Leider begriff ich zu spät, welcher modernen Sklaverei ich mich selbst unterworfen hatte und begann ab diesem Zeitpunkt, langsam aber sicher, mich seelisch, gedanklich, moralisch sowie faktisch von diesen Verantwortungen zu befreien.

Dank meiner sehr zuverlässig funktionierenden, nicht ausreichend belüfteten Nebenhöhlen, entwickelte ich eine Nase dafür, wann es zu viel wurde.

Unser Körper signalisiert uns so viele Dinge.

Der vermeintliche Verstand übergeht diese jedoch gekonnt. Mithilfe vermeintlich bestehender fremder Erwartungen, den vermeintlich guten Vorsätzen, die wir uns selbst angeeignet oder aufdrücken lassen haben sowie einem überhöhten Anspruchsdenken, welches wir uns selbst auferlegen.

Nicht zuletzt selbstverständlich auch aufgrund von einengenden Glaubenssätzen wie „Alles liegt an mir.“, „Ich bin für alles verantwortlich.“, oder auch „Wenn ich will, dass es läuft, muss ich es selbst machen!“.

Doch auch von außen wird einem gerne viel eingeredet oder böse mitgespielt.

Durchhalteparolen werden durch den Raum geworfen, der gefüllt ist mit Menschen, die Nahe dem Zusammenbruch stehen.

„Es könnte alles noch viel schlimmer sein!“

Okay. Und was, wenn ich möchte, dass es einfach mal besser wird? Soll ich nun etwa noch dankbar dafür sein, wie beschissen die Situation ist?

Ich erinnere mich noch heute bildlich an die Tage und Wochen, in welchen ich mich mit vollkommen vereiterten Nasennebenhöhlen ins Büro schleppte. Alle zwei Stunden, wenn der Druck meinen Kopf gefühlt zum bersten brachte, stellte ich eine Teekanne mit heißem Wasser auf meinen Schreibtisch, träufelte einige ätherische Öle hinein, stülpte mir ein Handtuch, oder wenn ich dieses nicht zu Hand hatte eine Jacke, über den Kopf und inhalierte den aufsteigenden Dampf.

Stell dir das doch mal bildlich vor.

Du kommst in eine Behörde und möchtest deinen zuständigen Sachbearbeiter sprechen. Du klopfst, trittst herein, der Raum ist gefüllt mit Eukalyptusduft. Reflexartig scannst du den Raum nach einem am Schrank hängenden Koala.

Stattdessen erblickst du diesen Typen. Der hängt schnaubend über einer verkalkten gläsernen Teekanne, ein Handtuch über dem Kopf gezogen, kniend auf einem Stuhl.

Für gewöhnlich verschloss ich die Tür von innen. Bis auf einmal.

Ein mir gut bekannter Rechtsanwalt stand plötzlich in der Tür. Leicht desorientiert erhob ich mich aus meiner gekrümmten Inhalations-Pose, zog den gelösten Rotz, begleitet von einem widerwärtig blubbernden Geräusch, aus meinen Stirnhöhlen und fragte ihn, wie ich ihm helfen könne.

Der Anwalt, übrigens einer meiner Lieblingsanwälte, wenn man das von Strafverteidigern überhaupt sagen kann, erwiderte: „Ich glaube vielmehr, Sie brauchen Hilfe.“

Das war der Tag, an dem ich beschloss, es nie wieder so weit kommen zu lassen.

Nie wieder würde ich meine Gesundheit für einen Job mit Füßen treten wollen.

Meine noch heute chronisch entzündeten Nasennebenhöhlen sind für mich ein ewiges Mahnmal dafür, dass nichts auf dieser Welt es wert ist, sich selbst auszubeuten oder sich von anderen freigiebig ausbeuten zu lassen. Schon gar nicht für eine mittelmäßige Bezahlung.

Sie sind ein sicherer Indikator für mich geworden, wenn mir meine aktuelle Situation nicht guttut, wenn ich es mal wieder übertreibe oder ich schlicht von einer Sache „die Schnauze voll habe“.

Heute höre ich auf sie, wie auf einen guten Freund. Sie erkennen es viel schneller und treffsicherer als ich, wenn ich mich in eine Situation begeben habe, die nicht gut für mich ist.

Andersherum funktioniert es genauso. Sie sind für mich ein sicherer Indikator dafür, dass es mir gut geht und ich mich wohlfühle. Denn dann bleiben sie ruhig und produzieren keine ekelerregende Menge grünen Schleimes.

Und dafür bin meinen Nebenhöhlen sehr dankbar.

Sprichwörter entstehen nicht aus dem Nichts heraus.

Sie haben eine Bedeutung. Vor allem für den- oder diejenige, die sie ausspricht.

Hast du schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht? Vielleicht gibt es Situationen, die dich aufregen und du wachst am nächsten Tag mit „einem dicken Hals“ auf?

Dann lass es mich in den Kommentaren wissen! Ich freue mich, auf deine Geschichte.

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