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Aus Deutschland abmelden

Aus Deutschland abmelden

Aus Deutschland abmelden – geht das?

Na klar!

Doch vorher solltest du ein paar Dinge darüber wissen.

Aus Deutschland abmelden? Ja, das geht wirklich! Good Bye, Germany!

In diesem Beitrag erfährst du, was es mit dem Begriff „sich aus Deutschland abmelden“ auf sich hat, wie du dich aus Deutschland abmelden kannst und welche Folgen dies nach sich zieht.

Die Begrifflichkeit, sich „aus Deutschland abmelden“ wird teilweise missverständlich verwendet.

Denn dies beinhaltet nicht etwa, dass du deine deutsche Staatsbürgerschaft verlierst.

Es bedeutet auch nicht, dass du damit Obdachlos wirst. Dies wäre nur der Fall, wenn du dich ohne festen Wohnsitz innerhalb Deutschlands befindest (auch o.f.W. abgekürzt). Du würdest dich also weiterhin in Deutschland aufhalten.

Jedoch kann es passieren, dass dir dennoch der sogenannte „Obdachlosen-Sticker“ in deinen Personalausweis geklebt wird. Dort steht dann allerdings drauf: „ohne festen Wohnsitz in Deutschland“, „kein Wohnsitz im Inland“, „kein fester Wohnsitz in der BRD“ oder ähnliches.

Der Text fällt scheinbar in das sogenannte „Ermessen der Verwaltung“ und kann somit irreführend sein.

Nichtsdestotrotz trifft im Falle einer Weltreise lediglich die rechtliche Begrifflichkeit „kein Wohnsitz in der BRD“ zu.

Sich aus Deutschland abzumelden bedeutet in unserem Kontext also lediglich, dass du deiner gesetzlichen Pflicht nach §17 II Bundesmeldegesetz nachkommst:

„Wer (Du) aus einer Wohnung auszieht (tust du) und keine neue Wohnung im Inland bezieht (machst du in diesem Fall nicht), hat (also Pflicht) sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug bei der Meldebehörde abzumelden. Eine Abmeldung ist frühestens eine Woche vor Auszug möglich […].“

Sodann musst du keine neue Wohnung beziehen und musst dich auch nicht zwangsläufig irgendwo wohnhaft melden, sofern du in keine Wohnung, Haus oder WG-Zimmer einziehst.

Das Procedere der Abmeldung ist denkbar simpel: Du vereinbarst einen Termin bei deiner Meldebehörde (telefonisch oder online), nimmst deinen Personalausweis oder deinen Reisepass mit und hast bestenfalls sogar schon das passende Formular dabei. Dieses findest du oftmals auf der Webseite deiner Meldebehörde, der Gemeinde- oder Stadtverwaltung.

Wenn du in der Onlinesuche „Abmeldeformular Wohnort + dein Bundesland“ eingibst, werden dir meist auch allgemeingültige Vordrucke für dein Bundesland vorgeschlagen.

Über die Abmeldung deines Wohnsitzes wird dir dann eine Abmeldebescheinigung ausgestellt. Diese dient dir auch um ohne Beachtung der Kündigungsfrist aus Verträgen rauszukommen, so zum Beispiel Abonnements, Handyvertrag, Internet oder ähnliche Verträge mit langer Laufzeit.

Auch für die GEZ-Abmeldung dient dir diese Bescheinigung 😊.

Verlange diese Abmeldebestätigung unbedingt.

Denn du benötigst sie auch, um später einen neuen Pass zu bekommen, wenn du dich außerhalb Deutschlands aufhältst. Dazu später mehr.

Außerdem würdest du sie benötigen, um dem deutschen Finanzamt darzulegen, dass du nicht mehr in Deutschland steuerpflichtig bist. Denn das kann ein großer Vorteil sein.

Beachte: Solltest du bereits im Ausland sein und dich abmelden wollen, gibt es unterschiedliche Handhabungen der Bundesländer. Mancherorts ist eine Online-Abmeldung möglich, woanders müsstest du zum Beispiel jemanden in deinem Auftrag schicken. Dieser benötigt dann eine Vollmacht und den Abmeldeantrag im Original und von dir unterschrieben.

Steuerpflicht

Deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland entfällt. Lediglich Einnahmen die du in Deutschland machst, zum Beispiel Mieteinnahmen aus (Unter-)Vermietung müssen gemeldet und ggf. versteuert werden.

Krankenversicherung

Die in Deutschland geltende allgemeine Versicherungspflicht (Kranken- und Pflegeversicherung) entfällt für dich. Du kannst somit einen günstigeren Tarif im Ausland oder eine internationale Krankenversicherung als deine Hauptversicherung abschließen.

Sozialabgaben

Du musst keine Sozialabgaben wie Rentenversicherungsbeiträge mehr an Deutschland abführen.

Amtliche Zustellungen

Offizielle Poststücke wie Vorladungen können dir innerhalb Deutschlands nicht mehr wirksam durch Einwurf in einen Briefkasten zugestellt werden. Hier würde dann eine sog. Öffentliche Zustellung zu bewirken sein, welche auch im Bundesanzeiger veröffentlich wird.
Gerichtliche Zustellungen würdest zum Beispiel hier finden: https://www.bundesanzeiger.de/pub/de/suchen2?3
Solltest du solche Dinge befürchten, während du im Ausland bist, schaue dort ab und zu mal rein und suche nach deinem Namen.

Bankkonto

Um ein Bankkonto bei einer deutschen Bank zu eröffnen benötigst du meist eine Postadresse in Deutschland. Kümmere dich um ein solches also VOR deiner Abmeldung, oder habe weiterhin eine Postadresse. Bei manchen Banken ist, dank Video-Ident-Verfahren, auch kein persönliches Erscheinen mehr notwendig. Eine Adresse jedoch musst du trotzdem angeben.

Gewerbe

Wenn du ein Gewerbe (Einzelgewerbe, GmbH etc.) in Deutschland hast, muss auch dein Gewerbe irgendwie postalisch erreichbar sein. Sofern das Gewerbe auf deine Wohnanschrift angemeldet ist und du das Briefkastenschild deiner Firma aber bei Auszug entfernen müsstest, wäre die Abmeldung aus Deutschland also keine Lösung.

Denn ein Gewerbebetrieb benötigt in Deutschland eine sogenannte ladungsfähige Anschrift. Diese wird beim Einzelgewerbe auf dem Gewerbeschein vermerkt und bei der GmbH sogar im Handelsregister eingetragen.

Solltest du zum Beispiel einen Online-Shop oder Webseite über dein Gewerbe betreiben, braucht dieser auch ein Impressum mit einer gültigen Postadresse, unter welcher deine Firma (rechtlich vertreten durch dich oder einen Geschäftsführer) „gerichtlich ladungsfähig“ ist.

Eine „Postbox“ oder Postfach ist übrigens keine ladungsfähige Anschrift.

Siehe hierzu auch: Post empfangen auf Weltreise

Ebenfalls möglich: Bestelle einen Empfangsbevollmächtigten. Die Person wird dann im Impressum sowie beim Gewerbe- und Finanzamt eingetragen und darf für deine Firma Schriftstücke entgegennehmen.

Neuer Reisepass benötigt?

Für alle Angelegenheiten in Passsachen, so auch die Ausstellung eines neuen Reisepasses, ist die deutsche Auslandsvertretung an deinem ausländischen Wohnort zuständig. Hierzu benötigst du lediglich die Abmeldebestätigung deiner letzten deutschen Meldeadresse.

Auto

Mit der Abmeldung aus Deutschland kannst du kein Auto oder Moped mehr in Deutschland auf dich zulassen. Ein noch auf dich zugelassenes KFZ kann jedoch weiter auf dich lauten. Lediglich die Benennung eines von dir Bevollmächtigten bei der Zulassungsbehörde ist notwendig.

Wählerverzeichnis

Mit der Abmeldung in Deutschland verlierst du deinen Eintrag im Wählerverzeichnis. Und zwar für Kommunalwahlen, Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europaparlamentswahlen. Daher müsstest du jeweils etwa 6 Monate vor dem Wahltermin einen Antrag auf Wiederaufnahme in das Wahlregister stellen.
Diesen Antrag kannst du über die für deinen Wohnort zuständige Auslandsvertretung stellen. Für Kommunalwahlen verlierst du das Wahlrecht vollständig, da du in keiner deutschen Kommune gemeldet bist.

Wie du siehst bestehen in den Folgen einer Abmeldung aus Deutschland sowohl Vorteile als auch Nachteile.
Was für dich und deine persönliche Situation das beste Set-Up ist, können wir dir leider nicht pauschal sagen.

Wichtig ist jedoch: Du weißt nun, was es mit diesem geflügelten Begriff auf sich hat, wie du dich aus Deutschland abmelden kannst und welche Folgen dies (rechtlich) nach sich zieht.

Wir selbst haben für unsere Weltreise entschieden, einen deutschen Wohnsitz zu behalten, da wir noch nicht abschließend wissen können, ob wir im Ausland bleiben werden. Höchst wahrscheinlich werden wir erst mal wieder nach Deutschland zurückkehren. So jedenfalls der Plan bisher. Doch wer weiß, was das Leben für uns bereithält 😊.

Wie hast du es gemacht? Bist du aus Deutschland abgemeldet und hast eine spannende, witzige oder kuriose Geschichte dazu?
Dann schreibe sie uns in die Kommentare 😊.
Wir freuen uns auf deine Gedanken!

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