Montagnola: Sehenswürdigkeiten, Hermann Hesse, Unterkünfte, unsere Tipps & Erfahrungen
Wer nach Montagnola kommt, wird um den Namen Hermann Hesse kaum herumkommen. Und wer sich dafür entscheidet, hier oben auf der Collina d’Oro zu übernachten, weiß nicht nur die Schönheit und Ausblicke dieses Ortes zu schätzen, sondern dürfte vorher zumindest bereits von Hesse und seiner besonderen Verbindung zu diesem Ort gehört haben.

Montagnola liegt nur wenige Kilometer oberhalb von Lugano am Hang über dem Luganersee und gehört heute zur Gemeinde Collina d’Oro, dem „Goldenen Hügel“. Seit 2004 bilden die Dörfer Montagnola, Gentilino und Agra gemeinsam die Gemeinde, 2012 kam Carabietta hinzu. Heute prägen großzügige Villen, viel Grün und die internationale TASIS-Schule das Dorfbild. Dazwischen haben sich aber noch immer jene engen Gassen, alten Steinhäuser und kleinen Plätze erhalten, die daran erinnern, dass Montagnola einmal ein ziemlich beschauliches Tessiner Dorf war.

Und genau hier beginnt die Geschichte von Hermann Hesse.

1919 kam der damals 41-jährige Schriftsteller nach Montagnola. Er blieb 43 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1962. Montagnola wurde zu seiner Wahlheimat und zu einem der wichtigsten Orte seines Lebens und Schaffens: Hier entstanden, oder besser gesagt reiften, einige seiner bekanntesten Werke: Klingsors letzter Sommer, Siddhartha, Der Steppenwolf, Narziss und Goldmund und schließlich auch Das Glasperlenspiel. 1946 erhielt Hesse den Nobelpreis für Literatur, bevor er kurz darauf verstarb und auf dem Friedhof von Gentilino seine Ruhe fand.
Wer heute durch Montagnola läuft, begegnet ihm zwangsläufig. In der Casa Camuzzi, in der er seine ersten Jahre hier verbrachte, im Hermann-Hesse-Museum direkt daneben, auf Wegen durch die Wälder und zwischen den alten Häusern, die er selbst gegangen ist und in seinen Aquarellen festgehalten hat.
Und auch für uns war Montagnola nicht nur ein Tagesausflug: Wir haben sieben Wochen hier gewohnt, während wir auf die Katze einer Freundin aufpassten, die ihre Familie in den USA besuchte. (Housesitting)
Genug Zeit also, um den Ort nicht nur zwischen Museum und Aussichtspunkten kennenzulernen, sondern auch an ganz gewöhnlichen Tagen: beim Einkaufen auf der Piazza Brocchi, auf Fahrten mit dem E-Bike über die steilen Straßen der Collina d’Oro oder am Abend, wenn es auf dem Hügel langsam ruhiger wurde und unten zwischen den Bergen der Luganersee lag.

Ganz neu war uns die Gegend dabei nicht. Schon einige Jahre zuvor waren wir auf dem Rückweg von Sardinien durchs Tessin gekommen und hatten ein paar Tage am Luganersee verbracht. Damals noch etwas weiter unten, in Ponte Tresa auf der italienischen Seite der Grenze.

Während unserer sieben Wochen lernten wir nicht nur das Dorf und seine Umgebung ausführlich kennen, sondern kamen Hesse dabei immer wieder erstaunlich nahe. Sogar seinen Geburtstag haben wir in Montagnola gefeiert.
Natürlich nicht gemeinsam mit ihm, so alt sind wir nun auch wieder nicht. Das Hermann-Hesse-Museum richtet jedes Jahr eine Geburtstagsfeier zu Ehren des Schriftstellers aus, und 2026 waren wir mittendrin.

In diesem Reisebericht zeigen wir dir deshalb nicht nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Montagnola rund um Hermann Hesse, sein Museum und den Hermann-Hesse-Weg. Wir nehmen dich auch mit zu einigen unserer liebsten Orte auf der Collina d’Oro, zum Aussichtspunkt Sasso delle Parole und nach Gentilino, und erzählen, wie es sich anfühlt, einige Wochen an jenem Ort zu leben, den Hermann Hesse selbst für mehr als vier Jahrzehnte zu seiner Heimat gemacht hatte.
Tipps für Montagnola auf einen Blick
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Orte in Montagnola, die den Ort unserer Meinung nach besuchens- und sehenswert machen:
Museo Hermann Hesse (Torre Camuzzi)
Beinahe unscheinbar steht das Museo Hermann Hesse mitten im alten Ortskern von Montagnola. Ein paar bunt lackierte Stühle und farbige Aufsteller vor dem Eingang weisen darauf hin, dass sich hier überhaupt ein Museum befindet.Ohne sie könnte man das schmale Gebäude zwischen den umliegenden Häusern leicht übersehen.

Untergebracht ist das Museum in der Torre Camuzzi, direkt neben der Casa Camuzzi, in der Hermann Hesse von 1919 bis 1931 lebte. Die Adresse lautet Ra Cürta 2, 6926 Montagnola. Eröffnet wurde das Museum am 2. Juli 1997, passend zu Hesses 120. Geburtstag. Es ist das erste und bis heute einzige Hermann-Hesse-Museum der Schweiz und zieht jedes Jahr rund 15.000 Besucher nach Montagnola.

Dabei wird es aber niemals sonderlich voll oder gar überfüllt. Gleichwohl sollte man kein großes, modernes Literaturmuseum erwarten. Die Torre Camuzzi ist im Grunde ein ganz normales, schmales Tessiner Wohnhaus, das zu einem Museum umgestaltet wurde. Die Ausstellung verteilt sich deshalb über mehrere kleine Räume und verschiedene Stockwerke. Gerade das macht den Besuch für uns aber ausgesprochen angenehm: Man bewegt sich nicht durch hallende Ausstellungssäle, sondern durch ein Haus voller Erinnerungen.

Zu sehen sind zahlreiche persönliche Gegenstände Hermann Hesses. Darunter seine Brille, Briefe, Bücher, seine Malutensilien und, für uns als Reisende natürlich besonders spannend: sein Überseekoffer.
Da bekommen seine Geschichten aus Malaysia und Indonesien doch gleich eine beinahe anfassbare Natur, hatten wir diese Länder doch ebenfalls bereist.

Besonders schön in Szene gesetzt: seine Schreibmaschine, auf der unter anderem Das Glasperlenspiel entstand, auf einem Tisch am Fenster stehend.
Und wären nicht umliegende Häuser und Bäume, hätte man auch von hier einen wunderbaren Blick auf den Luganersee und die Berge des Tessins.

Was uns besonders zum Lachen brachte, war ein Brief an seinen Verleger (Suhrkamp), in dem sich Hesse sichtlich aufregt, mit Grüßen aus der Hölle seines Zusammenbruchs.
Auch Hesses zweite große Leidenschaft bekommt viel Raum: die Malerei. Zwischen 1919 und 1938 soll er rund 3.000 Aquarelle geschaffen haben, viele davon mit Motiven aus Montagnola und der Tessiner Landschaft.

Kino im Keller

Im Keller befindet sich ein kleines Kino. Dort wird ein rund 50-minütiger Film über Hermann Hesse und sein Leben in Montagnola gezeigt, der auf Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch verfügbar ist. Wer sich intensiver mit Hesse beschäftigen möchte, sollte für das Museum deshalb durchaus etwas mehr Zeit einplanen, als es die überschaubare Größe des Hauses zunächst vermuten lässt. Unser heimlicher Lieblingsort, an dem wir zugegebenermaßen am meisten Zeit verbrachten, liegt allerdings nicht im, sondern hinter dem Museum.
Garten & KNULP
Aus dem Kellergeschoss gelangt man in einen kleinen Garten mit Sitzbänken und Sonnenschirmen. Hier lebt der vermutlich älteste Museumsbewohner Montagnolas: Knulp, die Landschildkröte. Sie wurde dem Museum geschenkt und trägt ihren Namen natürlich nicht zufällig: Knulp ist eine der bekanntesten Erzählungen Hermann Hesses und ein perfektes Einsteigerwerk. Nicht so schwer, wie viele seiner anderen Werke, eher leicht, spielerisch und etwas unbekümmert. Und doch blitzen bereits in Knulp Hesses teils antibürgerlichen Ansichten und Verhaltensweisen durch.

Wie uns die nette Dame am Empfang erklärte, verkörpere die Schildkröte auf ihre Weise Hesses Sinn für Gemütlichkeit und Müßiggang.
Und tatsächlich passt Knulp erstaunlich gut hierher: Während sich drinnen alles um Literatur, Lebenskrisen und große Gedanken dreht, stapft Knulp draußen in aller Ruhe durch den Garten.
Und so wie Knulp in Hesses Werk ist auch die Schildkröte im Museumsgarten recht zutraulich.
Zuletzt geprüft am 15.08.2026, Empfehlungslink
Museumsshop
Auch Bücher von Hermann Hesse kann man im Museum kaufen, selbstverständlich ebenfalls in deutscher Sprache. Wir haben uns bei unserem Besuch direkt zwei Exemplare mitgenommen: Aus Indien und – nach der Begegnung im Garten fast zwangsläufig – Knulp.
Direkt neben dem Museum befindet sich außerdem das kleine Literaturcafé Boccadoro – Amore Di, sodass man den Museumsbesuch gut mit einem Kaffee verbinden kann.
Eintritt & Öffnungszeiten
Der Eintritt ins Hermann-Hesse-Museum kostet regulär 10 CHF, Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Vergünstigungen gibt es unter anderem mit dem Ticino Ticket sowie verschiedenen Museumspässen. Wir haben den Culture Pass genutzt, mit dem man drei Tage lang die teilnehmenden Museen der Region besuchen kann (35 CHF pro Person).
Von April bis Oktober ist das Museum täglich von 10:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. Von November bis März gelten normalerweise eingeschränkte Öffnungszeiten am Samstag und Sonntag. Wichtig für den Winter 2026/2027: Wegen Umbauarbeiten bleibt das Hermann-Hesse-Museum in dieser Zeit geschlossen.
Veranstaltungen

Es finden auch regelmäßig Veranstaltungen in Gedenken an Hermann Hesse statt. Etwa Feierlichkeiten mit Lesungen zum Geburtstag (02.07. jedes Jahres) und Todestag (09.08. jedes Jahres). Auch wir haben an der Feier zum 149. Geburtstag von Hesse teilgenommen. Diese fand im Garten des ATTE statt. Es gab Sekt, Essen, Lesungen und geselliges Beisammensein, bis in den späten Abend hinein.
Auch 2027, zum 150. Geburtstag von Hesse, wird es wieder Feierlichkeiten geben, sagte man uns.
Anmeldung vorab ist bei diesen Veranstaltungen oft verpflichtend. Hierzu erkundigt man sich am besten vorab auf der Webseite des Museums.
Hinweis
Noch ein Hinweis, der bei der Reiseplanung schnell für Verwirrung sorgen kann: Die Casa Rossa (auch Casa Hesse genannt), in der Hermann Hesse ab 1931 bis zu seinem Tod lebte, gehört nicht zum Museum. Das Haus befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.
Hermann-Hesse-Weg
Sowohl für diejenigen, die sich nach dem Museumsbesuch noch etwas intensiver auf Hermann Hesses Spuren durch Montagnola bewegen möchten, als auch für jene, die einen umfassenden Rundgang und Einblick in den Ort wünschen, bietet sich der Hermann-Hesse-Weg an. Man kann das alles an einem Tag schaffen, wir persönlich empfehlen gleichwohl, sich ein paar Tage Zeit für Montagnola zu nehmen und den Weg an einem gesonderten Tag zu absolvieren. So erlebt man den Ort und seine Natur ohne Zeitdruck.


Dieser Erinnerungspfad wurde von der Gemeinde Collina d’Oro anlässlich der Museumseröffnung eingerichtet und verbindet insgesamt elf Stationen, die mit Hesses Leben, seinen Werken und seinen Lieblingsplätzen auf der Collina d’Oro verknüpft sind. Darunter einige der schönsten Aussichtspunkte der Region.
„See, Berge und Himmel flossen in der Ferne ineinander.“ – Hermann Hesse, Klingsors letzter Sommer

Der Weg beginnt beim Museo Hermann Hesse und führt zunächst durch den alten Ortskern von Montagnola, später durch Waldstücke und ruhigere Teile der Umgebung bis hinüber nach Gentilino. Ziel ist schließlich der dortige Friedhof, auf dem Hermann Hesse gemeinsam mit seiner Frau Ninon begraben liegt.

Unterwegs geht es dabei weniger darum, eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abzuhaken. Vielmehr bekommt man ein Gefühl für den Ort und jene Landschaften, in denen Hesse mehr als vier Jahrzehnte lebte. Wir haben den Weg während unserer sieben Wochen vor Ort wohl mehrfach abgelaufen, ohne es wirklich darauf anzulegen, und stellten mit jedem Mal mehr fest, warum es ihm hier so gut gefallen haben muss.
Zu den Stationen gehört auch Certenago, ein kleines, typisch tessinisches Dorf, das Hesse besonders schätzte und wiederholt in seinen Aquarellen festhielt. Gerade hier wird schön sichtbar, dass sich sein Verhältnis zu Montagnola nicht nur in seinen Büchern widerspiegelte. Hesse malte seine unmittelbare Umgebung immer wieder: Häuser, Wege, Gärten und Landschaften, die man auf dem Hermann-Hesse-Weg teilweise noch heute wiedererkennen kann. Und wer durch Montagnola wandelt, wird durchaus das eine oder andere Mal das Gefühl haben: „Das Motiv, die Szenerie – das kommt mir bekannt vor.“ Besonders, wenn man vorher den Film im Museum gesehen hat.
Für den Rundgang kann man sich im Museum einen Audioguide auf Deutsch oder Italienisch für ein paar wenige Franken ausleihen. Darin sind auch Originalaufnahmen von Hermann Hesses Stimme zu hören.

Körperlich anspruchsvoll ist der Hermann-Hesse-Weg nicht. Abgesehen von einigen Treppen und den für Collina d’Oro typischen Steigungen lässt er sich problemlos gehen. Festes Schuhwerk braucht man dafür nicht zwingend, wir empfehlen es aber gleichwohl.
Wer ohnehin das Museum, Gentilino und Hesses Grab besuchen möchte, kann die einzelnen Orte über den Hermann-Hesse-Weg sehr schön miteinander verbinden.
Und unserer Meinung nach erschließt sich Montagnola ohnehin am besten zu Fuß: nicht unbedingt, weil gerade die Wege und Gassen viel von dem Ort erzählen, den Hesse zu seiner Wahlheimat machte, und den besten Eindruck davon vermitteln, was diesen Ort ausmacht.
Auf diesem Spaziergang beginnt man zu verstehen, was der Literaturnobelpreisträger & Weltreisende an dieser Region zu schätzen wusste.
Hesses Werke in Montagnola
Als Hesse nach Montagnola zog, fand er Ruhe und Inspiration in der Natur, was sich zunächst positiv auf seinen Gemütszustand auswirkte. Besonders im ausschweifenden Prosawerk Klingsors letzter Sommer, das an manchen Stellen beinahe manisch wirkt, wird seine positive Verfassung deutlich. Auch Siddhartha entstand in Montagnola, was in Teilen als Aussöhnung mit einem Teil seiner Kindheit, seinen Eltern und ihrer missionarischen Arbeit verstanden wird, unter der auch Hermann sein Leid hatte.
Doch wie es bei Hesse ist, so folgen auf die Hochs auch immer wieder die Tiefs. Das Werk Der Steppenwolf, zeigt mehr als anschaulich, wie zerrissen Hesse nach wie vor ist, zwischen dem Wunsch nach bürgerlichem, gesellschaftlichem Dasein und dem Drang zur Individuation. Auch Narziss und Goldmund und schließlich auch Das Glasperlenspiel entstehen hier in Montagnola, letzteres sollte eines seiner heute bekanntesten Werke werden.
Und so vermochte auch das ruhige Tessiner Bergdorf, in dem Hesse zahlreiche namhafte Gäste empfing, letztlich nicht, seine pendelnde Persönlichkeit vollständig in Einklang zu bringen.
Zuletzt geprüft am 15.08.2026, Empfehlungslink
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Friedhof in Gentilino (Hermann Hesses Grab)

Nur rund 15 Gehminuten vom Hermann-Hesse-Museum entfernt liegt der Friedhof von Gentilino, offiziell der Friedhof Sant’Abbondio. Man findet ihn direkt gegenüber der gleichnamigen Kirche. Spätestens hier wird deutlich, wie viele Künstler und Intellektuelle die Collina d’Oro im vergangenen Jahrhundert angezogen hat.
Tipp: an Tagen mit klarer Sicht hat man vom Monte San Salvatore eine fantastische Aussicht auf das gesamte Ensemble (s. o.).

Friedhöfe sind für uns auf Reisen immer wieder kleine Fenster in die Vergangenheit. Schon in Edinburgh haben wir gemerkt, wie viel man über einen Ort erfahren kann, wenn man sich nicht nur seine Häuser und Museen ansieht, sondern auch danach fragt, wer hier gelebt hat (und wer geblieben ist).
Die Stimmung auf dem Friedhof von Gentilino empfanden wir dabei überhaupt nicht als bedrückend. Eher als ruhig, stilvoll und auf eine gewisse Weise erhaben.

Zwischen Zypressen, alten Grabsteinen und teilweise ausgesprochen aufwendig gestalteten Familiengräbern wirkt der Friedhof beinahe wie ein kleiner Park. Manche Familien haben sich hier mit monumentalen Grabstätten sichtbar ein Denkmal gesetzt.
Das Grab Hermann Hesses könnte dazu kaum einen größeren Gegensatz bilden.
Es liegt etwas versteckt im hinteren Teil des Friedhofs auf der rechten Seite und besteht lediglich aus einem schlichten Granitstein. Hier ruht Hermann Hesse gemeinsam mit seiner Frau Ninon Hesse, geb. Ausländer. Kein großes Monument, keine Statue, keine Inszenierung. Ein Grab, an dem man beinahe vorbeigehen könnte, wenn man nicht gezielt danach suchte.
Und doch ist es eines jener Gräber, vor denen immer wieder Menschen stehen bleiben.

Hesse ist dabei längst nicht die einzige bekannte Persönlichkeit, die auf dem Friedhof von Gentilino ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Hier liegen auch der berühmte Dirigent und Pianist Bruno Walter und der Schriftsteller und Mitbegründer des Dadaismus Hugo Ball gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin und Künstlerin Emmy Hennings.
Auch Gunter Böhmer ist hier begraben. Der Maler, Zeichner und Buchillustrator kam 1933 auf Einladung Hermann Hesses erstmals nach Montagnola und ließ sich wenig später dauerhaft auf der Collina d’Oro nieder. Er lebte selbst in der Casa Camuzzi und gehörte über Jahrzehnte zum künstlerischen Umfeld Hesses.
Wer wegen Hermann Hesse nach Montagnola reist, sollte den Friedhof von Gentilino deshalb unserer Meinung nach unbedingt mit einplanen. Nicht nur wegen seines Grabes. Museum, Casa Camuzzi, die Landschaft der Collina d’Oro und schließlich dieser Friedhof ergeben zusammen ein viel vollständigeres Bild von Hesses Leben hier, und zugleich von jenem Kreis aus Künstlern, Schriftstellern und Musikern, der sich im Laufe des 20. Jahrhunderts rund um Montagnola gebildet hatte.
Bei aller historischer und literarischer Bedeutung bleibt Sant’Abbondio natürlich ein aktiver Friedhof und damit in erster Linie ein Ort für Verstorbene und ihre Angehörigen. Fotografiere daher bitte zurückhaltend und respektvoll.
Kirche Sant’Abbondio (Gentilino)

Die Kirche Sant’Abbondio ist für uns eine der schönsten Kirchen der gesamten Luganoregion. Vor allem wegen ihrer Lage. Eine schnurgerade Zypressenallee führt auf das Gotteshaus zu, dahinter öffnet sich der Blick über die Collina d’Oro. Fast ein wenig toskanisch.
Die Ursprünge der Kirche reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück, ihr heutiges Erscheinungsbild stammt im Wesentlichen aus dem 17. Jahrhundert. Zum Ensemble gehören außerdem ein Beinhaus, eine Kreuzwegkapelle und der unmittelbar angrenzende Friedhof, auf dem Hermann Hesse begraben liegt.
Sant’Abbondio liegt etwas abseits zwischen Gentilino und Montagnola und ist ausgesprochen ruhig und malerisch. Wer Hesses Grab besucht oder auf dem Hermann-Hesse-Weg unterwegs ist, sollte hier unbedingt einen kurzen Stopp einlegen.
Vorsicht vor den dortigen Rasensprenklern: Sie gehen ohne Vorwarnung los.

Anreise: Bushaltestelle „Gentilino, S. Abbondio“.
Im Ortskern von Montagnola

Ein besonders schöner Platz in Montagnola ist die Piazza Brocci. Es handelt sich sozusagen um den Ortsmittelpunkt. Hier findet man im Sommer Schatten unter großen Platanen, eine sehr gute Pizzeria („Mache Pizza“, liefert auch), eine Apotheke, die wir durchaus häufiger besuchten, als uns lieb gewesen wäre, eine Bushaltestelle und, wenn man es wie wir geschafft hat, mit dem Mietwagen oder eigenen Auto durch eine der Straßen zu fahren, die man nur mit einer Genehmigung der Gemeinde befahren darf, auch die örtliche Kommunalverwaltung von Collina d’Oro, mit der man dieses Thema dann hoffentlich klären kann, ohne eine Strafe zahlen zu müssen.

Montagnola ist längst nicht mehr nur ein kleines Dorf im Tessin, wie es vielleicht zu Hesses Zeit der Fall war. Wer durch die Straßen und verwinkelten Gassen des Ortes läuft, bemerkt schnell: Hier haben sich auch besonders wohlhabende Personen einen Wohnsitz geschaffen. Moderne Stadtvillen, Luxusautos, Einfahrten mit großen Stahltoren und herrschaftliche Grundstücke mit Vogelvoliere prägen den ersten Eindruck von Montagnola und Collina d’Oro. Und wer könnte es übelnehmen, bei solchen Ausblicken?

Ein besonders reizvolles Bild ergibt sich auch, wenn man aus dem alten Ortskern die Serpentinen den Berg hinauf in Richtung Agra, oder den Berg hinunter nach Gentilino und Sorengo läuft, und dabei immer mal den Blick über die Hänge schweifen lässt.

Ein prägendes Element von Montagnola ist auch die TASIS-Schule. Die Abkürzung steht für „The American School in Switzerland“ und es handelt sich um eine internationale Privatschule, die sich großer Beliebtheit und hoher Schülerzahlen erfreut. Dabei wirkt die TASIS auf uns wie ein „Dorf im Dorf“, nahezu eine Parallelwelt. Am Mittag vernahmen wir das Klimpern von Geschirr, am Abend freudige Stimmung auf dem Schulgelände. Es muss ein wahres Privileg sein, in solch einer Umgebung seine Schulbildung zu durchlaufen, auch, wenn wir persönlich froh sind, die Leiden staatlicher Schulen erlebt zu haben.

Doch ganz gleich, ob vor den bodentiefen Fenstern einer Multi-Millionen-Villa stehend oder einfach nur auf einer Parkbank sitzend: Der Ausblick auf den Luganersee und die Berge, den Montagnola immer wieder bietet, ist, so oder so, unbezahlbar.

Geheimtipp: Der Viewpoint Sasso delle Parole

Einer unserer liebsten Aussichtspunkte rund um Montagnola ist der Sasso delle Parole, der, unseres Erachtens viel zu theatralisch benannte „Fels der nie gesagten Worte“. Der exponierte Felsvorsprung liegt oberhalb des Luganersees in Richtung Figino und bietet ein weites Panorama über den See und die umliegenden Berge, vom San Salvatore und Monte Generoso bis hin zu Monte Lema und Monte Tamaro.
Ganz bis zum Aussichtspunkt kommt man allerdings weder mit dem Fahrrad noch mit dem Auto. Die letzten Meter führen über einen schmalen Fußweg mit Betontreppe und Geländer hinauf auf den Felsen. Mit dem E-Bike lässt sich der Sasso delle Parole dennoch hervorragend in eine Tour über Carabietta, Casoro oder die steilen Wohnstraßen der Collina d’Oro einbauen. Aufgrund der Höhenmeter würden wir hier klar zur elektrischen Unterstützung raten (so wie in der gesamten Luganoregion).
Wer eine fertige Route sucht, findet bei Komoot unter anderem die Runde „Sasso delle Parole, Vista sul Lago di Lugano“ mit rund 9,3 Kilometern und 340 Höhenmetern.
Übernachten in Montagnola & Collina d’Oro
Wer hier oben über dem Luganersee in Montagnola, oder in einem der anderen schönen Dörfer der Gemeinde Collina d’Oro übernachten möchte, hat eine kleine, aber sehr feine Auswahl:
Collina d’Oro Resort & SPA ⭐⭐⭐⭐⭐
Wer es etwas luxuriöser mag, findet im 5-Sterne-Resort Collina d’Oro* einen ausgesprochen ruhigen Rückzugsort mitten im Grünen. Das Hotel liegt oberhalb von Lugano und bietet großzügige Zimmer und Suiten sowie einen Spa-Bereich mit Innen- und Außenpool, Sauna, Dampfbad und Fitnessbereich. Besonders schön ist die abgeschiedene Lage zwischen den bewaldeten Hügeln.
Ein kleiner Kritikpunkt: Nicht alle Zimmer bieten den erhofften Seeblick, und einige Gäste empfinden insbesondere die einfacheren Zimmer gemessen am gehobenen Preisniveau als zu klein. Und ohne Auto geht hier nahezu gar nichts.
Bewertung: 8,6 bei booking.com
Preis: ab 249 € | 227 CHF
Park Hotel Principe, Collina d’Oro ⭐⭐⭐⭐
Das 4-Sterne-Hotel liegt ruhig im Grünen auf der Collina d’Oro und punktet vor allem mit seinen ungewöhnlich großzügigen Zimmern, dem weitläufigen Garten und einem beheizten Außenpool. Dazu kommen Tennisplätze, Fitnessbereich und ein kostenloser Shuttle nach Lugano; für Wellnessanwendungen kann außerdem das Spa der benachbarten Villa Principe Leopoldo genutzt werden.
Kritikpunkt: Teile des Hauses und insbesondere einige Zimmer wirken mittlerweile etwas in die Jahre gekommen.
Bewertung: 7,9 bei booking.com
Preis: ab ca. 235 € | 220 CHF
Ferienwohnung Casa Le Palme
Wer lieber in einer Ferienwohnung statt im Hotel übernachtet, findet mit der Casa le palme eine besonders schöne Option direkt in Montagnola. Die rund 90 m² große Wohnung bietet zwei Schlafzimmer, eine eigene Küche, Garten und Terrasse sowie einen weiten Blick über den Luganersee. Dazu kommen ein kostenloser Privatparkplatz und eine angenehm ruhige Lage; auch Hunde sind erlaubt.
In den Bewertungen werden vor allem die Sauberkeit, die großzügigen Räume und der Seeblick gelobt. Ein kleiner Nachteil ist gleichwohl genau diese ruhige Lage: Wer häufig ins Zentrum von Lugano möchte, ist auf Bus oder Auto angewiesen.
Bewertung: 9,1 bei booking.com
Preis: ab ca. 237 € | 222 CHF
In Agra: Grotto Flora B&B
Deutlich ursprünglicher übernachtet man im Grotto Flora in Agra. Das traditionsreiche Haus befindet sich in einem Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert und verbindet ein kleines, individuell eingerichtetes B&B mit einem klassischen Tessiner Grotto, in dem regionale Küche und Grillgerichte serviert werden.
Besonders schön sind der Innenhof und die familiäre Atmosphäre. Genau die richtige Adresse, wenn man lieber charaktervoll als luxuriös übernachtet.
Der historische Charme geht teilweise zulasten des Komforts, denn einige Zimmer verfügen lediglich über ein Gemeinschaftsbad.
Besonders für Wanderer ist dieses B&B eine sehr gute Wahl, nahe zu vielen Wanderwegen.
Bewertung: 8,9 bei booking.com
Preis: ab ca. 117 € | 109 CHF
Praktische Tipps für den Aufenthalt

Anreise nach Montagnola
Mit dem ÖPNV: Am einfachsten fährst du mit dem Zug bis Lugano und steigst dort in den Bus der Linie 436 in Richtung Agra. Bis Montagnola, Paese sind es etwa 10 bis 15 Minuten. Für das Hermann-Hesse-Museum ist auch die Haltestelle Bellevue praktisch.
Mit dem Auto: Von der A2 nimmst du die Ausfahrt Lugano-Süd und fährst über Sorengo und Gentilino nach Montagnola. Öffentliche Parkplätze gibt es unter anderem rund um die Piazza Brocchi im Ortszentrum.
Und bitte daran denken, keine Straße zu nutzen, die mit „Servizio Domizilio“ oder „Con Permesso Municipale“ gekennzeichnet ist.
Mit dem E-Bike: Montagnola lässt sich sehr gut mit dem E-Bike erkunden. Wegen der teils steilen Anstiege auf der Collina d’Oro ist die elektrische Unterstützung allerdings deutlich angenehmer als ein normales Fahrrad.
Ein persönliches Fazit

Für uns als Reisende war Montagnola in vielerlei Hinsicht wie ein kleines Stück Zuhause. Nicht nur, durch die lange Verweildauer und auch nicht nur über die Art und Weise, wie wir unsere Zeit dort verbrachten, in einer Wohnung mit Katze und Blick auf das Casa Camuzzi. Das Dorf wurde für uns, spätestens nach unserem ersten Kontakt mit der Gemeindeverwaltung, weil wir eine Straße befahren hatten, die man nur mit Genehmigung befahren darf, auch zu einem Stück innerer Heimat, mit einem zeitweiligen Gefühl des Angekommenseins.
Denn brechen wir es auf das Wesentliche herunter, ohne die Umstände der damaligen und heutigen Zeit vergleichen zu wollen, so sind auch wir, wie Hesse, Reisende, Schreibende und vor allem Suchende. Hesse fand anfänglich in Montagnola etwas, was wir bis dato vergebens suchten: einen Ort, an dem er das Gefühl hatte, bleiben zu wollen, oder besser gesagt, das Maß an innerer Ruhe, auch tatsächlich bleiben zu können, mit der späteren Erkenntnis, dass das, was er suchte, nicht in Montagnola liegt, sondern in ihm selbst.

Dieses Fazit klingt trauriger, als es gemeint ist. Wie Hesse haben auch wir viele Orte der Welt bereist, Geschichten gesammelt und aufgeschrieben, und stellen sie unseren Leserinnen und Lesern heute zur Verfügung. Ein solches Leben auf Reisen zeugt wohl stets von einem gewissen Drang des Suchens und Entdeckens, den man auch niemals verlieren oder freiwillig aufgeben sollte, wenn man ihn denn verspürt. (Gleichwohl beneide ich persönlich manchmal jene, denen er nicht angeboren ist.)
Doch gelegentlich – und ich bemerke erst jetzt, wie persönlich dieser Artikel nun doch geworden ist – brauchen auch wir einen Ort, an dem wir, zumindest vorübergehend, ankommen können. Und dieser Ort war Montagnola für uns gewiss! Die wunderschönen Aussichten, die man hier oben hat, machten es uns leicht, sich schnell wohlzufühlen, und heute, an unserem letzten Tag unseres Aufenthalts in Montagnola, sitze ich hier an meiner „modernen Schreibmaschine“, am geöffneten Fenster, mit Blick auf Palmen, einen Baukran und einen roten Palazzo.
Die Sonne geht gerade hinter dem Monte San Salvatore auf, und ich fühle mich Hesses Gedankenwelt näher, als an jedem anderen Tag unserer gemeinsamen sieben Wochen zuvor. Insgeheim hoffend, ebenfalls diesen Ort zu finden, an dem ich es jahrzehntelang aushalten könnte.

Ein Besuch in Montagnola lohnt sich keinesfalls nur, wenn man auf den Spuren Hermann Hesses wandelt. Es ist vor allem der alte Tessiner Charme in Kombination mit der Nähe zur Natur, wunderbaren Ausblicken auf den Luganersee und Bergen wie dem Monte San Salvatore, in Kombination mit einer ruhigen Abgeschiedenheit, die den Reiz dieses Ortes ausmachen.
Und da treffen wir doch wieder auf Hesse. Denn es waren vielleicht genau diese Aspekte, die auch ihn hier über vier Dekaden hielten. Du siehst: Wir kommen nicht um ihn herum, den Hermann, wenn wir uns über Montagnola unterhalten.
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